Farbe & Natur

Kleines Farben-ABC

Farbe ist Bindemittel plus Pigment

Wer Naturfarben selbst herstellen möchte braucht genaue Kenntnisse über die Einzelbestandteile. Dazu zählen neben Bindemitteln und Pigmenten die Lösungsmittel, Füllstoffe und Additive. Außerdem ist für die ökologische Qualität von Intresse, die Gewinnung der Rohstoffe, ihre Verarbeitung, ihre Eigenschaften bis hin zur Funktion im Anstrichmittel sowie die Recycelfähigkeit.

Bindemittel:

Bindemittel sind die Kleber in den Farben. Das heißt, sie verbinden die Pigmente mit den Farbträgern und dann wiederum mit dem Untergrund. Die meisten Farben sind nach ihren Bindemitteln benannt. Kenntnisse über Klebefähigkeit, Löslichkeit, Untergrundverträglichkeit usw. sind für das gelingen des Selbermachens von Farben besonders wichtig.

Bier
als Bindemittel ist eines der ältesten im Malerhandwerk. Es ist wasserlöslich, transparent, ungiftig, preiswert, jedoch im getrockneten Zustand nicht wasserfest. Es eignet sich hervorragend für dekorative Lasuren, zum Beispiel in der Möbel- und Kulissenmalerei.

Leim wurde früher aus Haut und Knochenabfälle hergestellt und zählt zu den traditionellen Bindemitteln.
In den letzten Jahrzehnten wurden diese Leime weitestgehend durch Methylcellulose, ein Produkt der Chlorchemie, ersezt. Naturfarbenhersteller verwenden in der Regel Kartoffelstärke.
Leimfarben sind im getrockneten Zustand wasserlöslich und ggf. nur mit gleichem Material überstreichbar.
Leimfarben können unter Zusatz von Leinölfirmis oder Sonnenblumenöl wischfest gemacht werden.

Kasein ist der Käsestoff der Milch, zu ca. 11% aus Magerquark gewonnen. Kasein trocknet wasserfest auf und hat die hervorragente Eigenschaft, gleichzeitig als Emulgator zu wirken, der Öl und Wasser verbindet. Auf Kaseinbasis lassen sich sehr gut Grundierungen, Lasuren, Deckfarben, Kleber und Spachtelmassen herstellen.

Kalk wird zur Verwendung als Bindemittel gebrannt und mit Wasser gelöscht. Durch die Reaktion des gelöschten Kalkes reagiert dieser als Sumpfkalkanstrich mit dem Kohlendioxid der Luft.
Es kommt zu einer Karbonatisierung beim Vorgang des Abbindens und es entsteht an der Wand wieder Kalkstein. Kalkfarben sind biologisch abbaubar, alkalisch und dadurch desinfizierend und fungizid wirkend. Sie sind sehr diffusionsoffen, geruchsabsorbierend, aber nicht waschfest.

Wasserglas ist Hauptbestandteil der Silikatfarben. Dabei wird geschmolzener Quarzsand verwendet, der mit dem Kohlendioxid der Luft reagiert und auf mineralischen Untergründen wieder verkieselt. Es entsteht eine dauerhafte Verbindung, die wasser-, wetter-, und industrieatmosphärenfest ist, trozdem diffusionsoffen und antistatisch wirkt.
Außerdem ist Wasserglas stark alkalisch.

Pflanzliche und tierische Öle wie Standöle, Firnisse, Harze und Wachse werden, gegebenenfalls mit Trockenstoffen (Sikkativen) versezt, als Bindemittel eingesezt. Sie haben eine hohe Bindekraft, so dass sowohl Lasuren als auch deckende Anstriche, wie Lacke, möglich sind.
Der erste natürliche Lack wurde aus den Ausscheidungen der Schildlaus hergestellt und als Schellack, vorallem für Möbelanstriche, eingesezt.


Pigmenten:

Pigmente sind für die Farbgebung und Deckkraft im Anstrichmittel verantwortlich. Es sind ungelöste, feine Festkörper, die im Bindemittel verteilt sind.

Erdpigmente werden aus farbigen Erden und Gesteinen, wie Metaloxiden, gewonnen. Je nach Lagerstätte in Europa, z.B. Siena, Umbra etc. sind von rötlich über Gelb bis Braun und Grün zu haben. Die Gesteine werden fein zermahlen und windgesichtet. Bunte Erden haben eine gute Beständigkeit gegen UV-Strahlung, schwache Säuren und Laugen.
Auch Kreide, hauptsächlich aus den Schalen von Meereseinzellern bestehend, wird gebrochen, gemahlen und gereinigt. Sie hat einen hohen Weißgrad sowie gute Füllstoffeigenschaften.

Bei Mineralpigmenten handelt es sich um die Verwendung von Metalloxiden, die durch technologiesche Verfahren, z.B. hohe Temperaturzufuhr, ihre Farbeigenschaften entwickeln. Ihre Färbeeigenschaften sind im Vergleich zu Erdpigmenten kräftiger, z.B. Ultramarinfarben.

Lösungsmittel:

Lösungsmittel dienen in erster Linie dazu Anstrichmittel streichfähig zu machen und beim Trocknen wieder zu verdunsten.
Oft reicht Wasser als Lösungsmittel aus, Schellack ist jedoch nur in Alkohol, Harze sind nur in Terpentinöl löslich, dass aus Terpenen verschiedener Planzenarten besteht. Dabei wird das Harz verschiedener Kiefern und Lerchenarten destiliert.
Auch Orangenschalenöl, gewonnen aus den Schalen der Zitrusfrüchte, gehört zu den Terpenen.

Dispersionsfarben

Dispersionsfarben

Als Dispersionsfarben bezeichnet man zähflüssige Anstriche, die aus einer chemischen Dispersion (meistens einer Emulsion) aus Binde- und Lösungsmitteln, Farbmitteln (meistens Pigmenten) und Zusatzstoffen bestehen. In diesem allgemeinen Sinn handelt es sich bei der Mehrzahl der flüssigen Anstriche (Lacke, Farben, usw.) um Dispersionen. Umgangssprachlich ist damit meistens handelsübliche Wandfarbe gemeint, wie sie palettenweise in jedem Baumarkt steht. Dabei handelt es sich genau genommen um Kunststoffdispersionsanstriche.
Daneben gibt es auf dem Markt noch ähnlich aufgebaute Produkte, die statt synthetischen und mineralölhaltigen Zutaten vor allem Pflanzenöle verwenden und als Naturdispersionsfarben bezeichnet werden.

 

Fogging

Fogging

Als Fogging-Effekt, auch Schwarzstaub oder magic-dust genannt, bezeichnet man die Schwarzverfärbung von Räumen in Gebäuden. Der Effekt tritt in Wohnungen in Deutschland meistens zur Winterzeit auf. Als Ursache wird in vielen Fällen Thermophorese angenommen. Das Wort Fogging kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie Vernebelung. Es ist eine neue Bezeichnung für die sehr lange bekannte Thermophorese, die in Fachbüchern der Aerosolphysik ausführlich beschrieben ist. Im Allgemeinen sind Neubauten oder kürzlich renovierte Wohnungen betroffen. Dies wird vom Umweltbundesamt damit erklärt, dass schwerflüchtige organische Stoffe, z. B. Weichmacher, aus Baustoffen (z.B. Klebern) und Einrichtungsgegenständen entweichen und sich mit Staub- und Rußpartikeln zu einem schmierigen Film verbinden.

 

Stuccolustro

Stuccolustro

Bei Stuccolustro handelt es sich um eine historische, schon aus der Antike bekannte, Glättetechnik auf Kalkbasis.
Dabei wird ein aus mehreren Putzlagen bestehender Freskoaufbau aus hochwertiger Kalkspachtelmasse (Sumpfkalk), ggf. plus Marmormehlen und Pigmenten hergestellt.
Die Oberflächen werden anschließend mit Olivenölseife behandelt und mit einer sogenannten heißen Kelle geglättet.
Dadurch lassen sich faszinierende Oberflächen herstellen, die den Glanz und die Transparenz von poliertem Marmor besitzen.

 

 
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